Was ist beseelte Arbeit?

Bei drängenden Fragen ziehe ich gern eine Tarotkarte. Die gezogene Karte bietet freilich keine Universallösung an. Vielmehr öffnet sie den Sinn für das Unbewusste. Denn die Antworten auf unsere Fragen liegen in uns selbst.

Heute ziehe ich den Prinz der Schreiben. Da geht es um Selbstverwirklichung, um zielgerichtete Energie, Freude und Erfüllung auf materieller Ebene für meine Seele – und in diesem Zusammenhang um eine entscheidende Frage: Was ist für mich eigentlich beseelte Arbeit? Hierüber gilt es nachzudenken…

Der Auftrag lässt mich zunächst ratlos zurück. Der erste Gedanke: Arbeit, die als Berufung verstanden wird, verleiht ihr eine Seele. Und weiter? Ich konsultiere Wikipedia: Was ist überhaupt als Seele definiert? „Im heutigen Sprachgebrauch ist oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend gleichbedeutend mit dem Begriff Psyche.“, lese ich.

Davon ausgehend, dass beseelte Arbeit nur im positiven Sinne verstanden werden kann, hieße das: Es ist eine Arbeit, die mich glücklich macht (oder in mir zumindest angenehme Gefühle weckt) und aus dem Herzen kommt. Die ich „mit Leib und Seele“ ausführe. Bei der ich im besten Fall sogar die Zeit vergesse.

Idealerweise verschwimmen bei beseelter Arbeit die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Zum Beispiel wenn das Hobby zum Beruf wird, und man bekommt noch Geld dafür – ein Traum! Oder die Arbeit macht einfach soviel Spaß, dass diese gar nicht mehr als Arbeit definiert wird. Was bedeutet, dass die Woche am Montagmorgen voller Freude beginnt und der Donnerstag nicht nur durch den Gedanken an das in greifbare Nähe rückende Wochenende erträglich wird.

Beseelte Arbeit ist wohl auch eine Arbeit mit Sinn. Zum Beispiel eine ehrenamtliche Tätigkeit oder jeder Dienst am Menschen. Sinnvoll wird Arbeit ebenfalls, wenn sie einem höheren Zweck dient – obgleich der sich auf den ersten Blick nicht erschließen mag. Mir fallen sofort einige Klienten ein, die ich bei der Sinnsuche nach einer erfüllenden beruflichen Tätigkeit begleite. Da wird der Bürojob zwar nicht mit „Leib und Seele“ ausgeführt, erfüllt aber einen Sinn: verdienen des Lebensunterhalts. Und weiterdenkend: Mit der eigenen Tätigkeit erweist jeder Angestellte doch auch einen Dienst, sodass das Unternehmen, die Firma etc. bestehen kann und Arbeitsplätze gesichert werden. Auch hier ist also ein Sinn in der Arbeit erkennbar.

Dient unter diesem Gesichtspunkt nicht alles, was wir tun, einem höheren Zweck und folgt spirituellen Gesetzen, nach denen wir immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind? Und ist es nicht so, dass uns im Außen begegnet, was wir im Innen fühlen und denken? Ist dann nicht jede Arbeit sinnvoll, sprich beseelt?

Wikipedia meint: „[…] es [gibt] religiöse und philosophische Konzepte, in denen sich „Seele“ auf ein immaterielles Prinzip bezieht, das als Träger des Lebens eines Individuums und seiner durch die Zeit hindurch beständigen Identität aufgefasst wird.“ Beseelte Arbeit ist demnach auch eine Tätigkeit, mit der ich mich identifiziere, die zu mir als Persönlichkeit passt. Über die ich mich in meinem Menschsein ausdrücken kann. Die das, was ich als Mensch zu sagen oder zu geben habe, in die Welt trägt.

Ganz schön komplex! Und über die alles entscheidende Frage habe ich noch gar nicht nachgedacht: Inwieweit ist nun meine eigene Arbeit beseelt? Das Thema wird mich noch ein wenig beschäftigen. Und Sie?

Text: Birgit Doeubler
Foto: Pixabay