Das Wesen des Löwenzahns

In der Pflanzenheilkunde sind die Inhaltsstoffe ein wichtiger Indikator für die Wirkung eines Krauts. Die ganzheitliche Phytotherapie geht einen Schritt weiter: Sie untersucht auch die Signatur, das Wesen einer Pflanze – und schließt darüber auf die Heilkräfte.

Signaturenlehre, das heißt: Wie sieht die Pflanze aus, welche Form bzw. Farbe haben Blätter und Blüten? Welchen Standort bevorzugt sie? Unter welchen Namen ist sie bekannt? Ist sie eine stolze Pflanze oder eher zurückhaltend, gar zart im Wuchs? Welche Planetenkräfte wirken durch sie? Wie lässt sich vom Pflanzenwesen auf eine geistig-seelische Heilwirkung beim Menschen schließen?…

Beispiel Löwenzahn: Nomen est omen – schon sein Name verspricht große Kräfte. Wohl wahr, vermag der Löwenzahn sich sogar durch Asphalt „beißen“ und an den unwirtlichsten Stellen zu erscheinen. Die Blätter der Pflanze sind gezackt und erinnern an eine Säge. In den Stängeln des reifen Löwenzahns fließt ein milchiger Saft, der bei Verzehr größerer Mengen – genau wie die Blätter – giftig ist. Die Pflanze weiß sich also zu wehren!

Die Blütenköpfe machen durch leuchtendes Gelb auf sich aufmerksam; der Löwenzahn ist nicht zu übersehen. Gelb ist die Farbe des dritten Chakras (Solarplexus), aus dem Erneuerung, Kreativität hervorgeht. Gelb wird in der Naturheilkunde der Leber zugeordnet – das Haupteinsatzgebiet des Löwenzahns. Auch ist gelb die Farbe der Sonne; ihr strecken sich die Blüten entgegen, leuchten bei Tag besonders intensiv und schließen sich bei Nacht. Nach der Blüte wird aus der gelben Butter- eine Pusteblume – luftig und leicht kommen die Blütenstände nun daher und tragen ihre Samen in die Welt hinaus. Kinder schicken mit kräftigem Pusten auch ihre Wünsche auf die Reise.

Als Unkraut verschrien, lässt sich der durchsetzungsstarke Löwenzahn nicht leicht vertreiben und kommt immer wieder. Er ist sehr anpassungsfähig, kann sich auf die verschiedensten Boden- und Klimaverhältnisse einstellen.

Im Löwenzahn wirken die Planetenkräfte der Sonne (Wuchs, Strahlkraft, Farbe), des Merkur (Verbreitung der Samen über die Luft) und des Mondes (milchiger Pflanzensaft) – ein Hinweis auf die vielseitigen Einsatzgebiete der Pflanze.

Auf körperlicher Ebene regt der Löwenzahn dank der enthaltenen Bitterstoffe die Lebertätigkeit, den Gallefluss, die Magensäfte und die Verdauung an, wirkt stimulierend auf den Stoffwechsel und blutreinigend. Verwendet werden das Kraut, die Wurzeln oder die ganze Pflanze. In Form von Tee, Frischpflanzensaft, Urtinktur oder Tropfen wird er auch als Frühjahrs- oder Entgiftungskur eingesetzt.

Und für wen eignet sich der Löwenzahn auf geistig-seelischer Ebene besonders gut? Die Signatur – Name, Farbe, Blattform, Pflanzensaft, Wuchs, Planetenkräfte – spricht für sich. Löwenzahn unterstützt diejenigen, die müde und erschöpft sind und neue (Durchsetzungs-)Kraft benötigen. Auch wenn etwas in Bewegung kommen soll oder das Leben es erfordert, sich neuen Umständen anzupassen, ist die Pflanze der richtige Begleiter.

Die ganzheitliche Pflanzenheilkunde lädt dazu ein, eine Pflanze mit anderen Augen zu betrachten oder neu kennenzulernen. Wer sich beim nächsten Sonntagsspaziergang von einer Pflanze am Wegesrand besonders angesprochen oder gar zu ihr hingezogen fühlt, halte kurz an. Vielleicht hält die Pflanze durch genaueres Betrachten eine besondere Botschaft bereit. Und nicht selten braucht der Mensch diese Pflanze zu diesem Zeitpunkt.

Foto: Birgit Doeubler