FotoCoaching: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Fotos sind ein fester Bestandteil unseres Lebens. Mal nehmen wir sie bewusst wahr, z.B. wenn wir aufmerksam ein Magazin durchblättern, mal erreichen sie uns unbewusst über unsere Träume. Eines haben sie gemeinsam: Was wir sehen weckt Emotionen, diese wollen verarbeitet, eingeordnet werden. Im Coaching lassen sich Fotos nutzen um einen Perspektivwechsel einzuleiten und so eigene Wünsche und Ziele zu visualisieren und zu realisieren.

Meine Klientin Frau H. steht beruflich vor einer besonderen Herausforderung: Sie soll die Leitung eines neuen Teams im Unternehmen übernehmen. Frau H. reizt die neue Aufgabe zwar, mit dem Gedanken „die Richtung vorzugeben“ fühlt sie sich jedoch unwohl. Sie befürchtet, dass die Kollegen sie nicht ernst nehmen. Im Coaching besprechen wir Stationen ihres bisherigen Berufslebens. Es stellt sich heraus, dass Frau H. schon mehrfach eine Führungsposition angetragen wurde, sie diese aber immer abgelehnt hat.

Um einen Perspektivwechsel zu ermöglichen bitte ich Frau H. mit dem Smartphone einige beliebige Straßenszenen aus mehreren Blickwinkeln aufzunehmen. Die Fotos bringt die Klientin zum nächsten Termin mit. Im Gespräch ermutige ich sie, sich in die abgebildeten Personen hineinzuversetzen und die Szene immer wieder neu aus deren jeweiligem Blickwinkel zu betrachten und zu interpretieren. Übertragen auf ihre eigene Situation – das Übernehmen der Teamleitung – erkennt Frau H. die Einseitigkeit ihrer Sichtweise. Sie kann nun die Perspektive ihrer Vorgesetzten, die ihr die neue Aufgabe zutrauen, akzeptieren und annehmen und steht auch den erwarteten Problemen mit den Kollegen im Team offener gegenüber.

Neben dem Fotografieren zum aktuellen Thema können beim Foto-Coaching auch bereits vorhandene Fotos von beruflichen Veranstaltungen, privaten Feiern oder aus verschiedenen Lebensabschnitten des Klienten verwendet werden.

Im Rahmen der Aufarbeitung der eigenen Biographie bringt Herr M. einige Schnappschüsse von Familienfesten mit. Es ist schnell ersichtlich, dass sich der Vater meines Klienten auf den Fotos stets etwas abseits der Gruppe aufhält, als gehöre er nicht dazu. Herr M. bemerkt daraufhin, dass er dieses Gefühl auch von sich selbst kenne. Im Coaching erkennt er, dass er sich als „Papakind“ oft mit dem Vater identifiziert habe – und dabei wohl auch Verhaltensmuster übernommen hat, die zu ihm als Erwachsenen jedoch nicht mehr passen würden. Wir nehmen die Fotos zum Anlass Glaubenssätze des Klienten zu überprüfen und neu zu bewerten.

Coaching mit Fotos ermöglicht einen kreativen Ansatz, den für Veränderungen oft notwendigen Perspektivwechsel zu erleben und gewohnte Denk- und Verhaltensmuster aufzubrechen. Mit der Kamera in der Hand tritt der Klient aus der Alltagssituation heraus und wird selbst zum Beobachter. Dabei stehen nicht technisch einwandfreie Bilder im Vordergrund, sondern das Fotografieren selbst als Ausdrucksmittel und die bei der Umsetzung gemachten Erfahrungen und gewonnenen Erkenntnisse. Foto-Coaching eignet sich besonders für Klienten mit einer visuellen Auffassungsgabe – und wenn Worte nicht ausreichen um zu sehen, was ist.

 

Foto: Pixabay